Saisonale Produktion
Während der Verarbeitungskampagne fallen große Mengen an Bagasse, Pressmud und weiteren Reststoffen an, während die Energieversorgung ganzjährig zuverlässig funktionieren soll.
Zucker-, Bioethanol- und Hefeindustrie
Vinasse, Pressmud, Bagasse, Zuckerrohrstroh und weitere Reststoffe der Zuckerrohrverarbeitung werden in einem ganzjährig betreibbaren Verfahrensverbund zu Biogas, Biomethan, Prozessenergie und organischen NPKS-Düngemitteln aufbereitet.
Ausgangsproblem
Während der Verarbeitungskampagne fallen große Mengen an Bagasse, Pressmud und weiteren Reststoffen an, während die Energieversorgung ganzjährig zuverlässig funktionieren soll.
Zuckerrohrstroh, Zuckerrohrspitzen und Bagasse besitzen hohe Lignocelluloseanteile und sind mit konventioneller Fermentation nur begrenzt erschließbar.
Melasse, Vinasse, Kondensate und Hefeabwasser verursachen hohe Behandlungs- und Entsorgungsanforderungen, enthalten aber zugleich verwertbare organische Stoffe.
Bei Verbrennung, offener Lagerung oder unzureichender Abwasserbehandlung gehen Energie- und Pflanzennährstoffpotenziale verloren und Emissionen entstehen.
Verfahrensprinzip
Überschüssige Bagasse, Pressmud und weitere feste oder flüssige Reststoffe werden zu einem lagerfähigen Gemisch mit geeignetem Trockensubstanzgehalt zusammengestellt und siliert. Damit kann die Anlage außerhalb der Erntekampagne weiterbetrieben werden.
Feste Reststoffe und Silage werden auf kurze Faserlängen zerkleinert. Gemeinsam mit Pressmud, Vinasse, Melasse, Hefeabwasser und zurückgeführtem Biofiltrat entsteht eine pumpfähige, feststoffreiche Biosuspension.
Die Biosuspension wird aerob oder semi-aerob hydrolysiert. Dadurch werden faserreiche Strukturen vor dem anaeroben Prozess besser erschlossen und die Fermenter gezielt entlastet.
Das Hydrolysat wird in kulturerhaltenden Fermentersystemen mit an lignocellulosereiche Stoffe angepassten Mischkulturen behandelt. Eine ausreichende Mindestverweilzeit unterstützt stabile und hohe Biogaserträge.
Eine nachgeschaltete thermophile Stufe erhöht den Abbaugrad, gewinnt zusätzliches Biogas und verbessert die hygienische Qualität der Fermentationsrückstände.
Das Biogas wird biologisch entschwefelt und energetisch genutzt. Gärreste werden getrennt; Biofiltrate werden nach Hemmstoffentfrachtung zurückgeführt, während feste NPKS-Fraktionen und Ammoniumsulfatlösung als Düngemittel bereitstehen.
Geeignete Stoffströme
Lignocellulosereiche Ernterückstände von der Plantage, die nach Zerkleinerung und Vorbehandlung energetisch erschlossen werden können.
Faserreicher Pressrückstand der Zuckerrohrverarbeitung, der je nach Standort ganz oder teilweise biotechnologisch verwertet werden kann.
Nährstoffreicher Rückstand aus der Rohsaftreinigung mit hohem Potenzial für Biogas- und Düngemittelgewinnung.
Flüssige Rest- und Nebenprodukte der Zucker- und Bioethanolproduktion, die als organische und flüssige Komponenten der Biosuspension genutzt werden können.
Organisch belastete Flüssigkeiten, die zur Reduzierung des Frischwasserbedarfs und als zusätzlicher Energieeintrag genutzt werden können.
Nach der Abreicherung von Ammonium dienen sie als keimhaltiges Prozessmedium und wichtigste Flüssigkeitskomponente für die erneute Suspensionsherstellung.
Kundennutzen
Die Silierung gleicht saisonale Mengen aus und ermöglicht eine kontinuierliche Bereitstellung von Biogas und Prozessenergie auch außerhalb der Zuckerrohrkampagne.
Das Biogas kann in BHKW- oder GuD-Systemen zur Erzeugung von Strom, Prozessdampf, Heiß- und Warmwasser genutzt werden.
Vinasse, Hefeabwasser, Pressmud und weitere Reststoffe werden als Rohstoffe genutzt statt kostenintensiv behandelt oder entsorgt.
Feste Gärrestfraktionen und Ammoniumsulfatlösung führen Stickstoff, Phosphor, Kalium und Schwefel in die Zuckerrohrplantagen zurück und können mineralische Düngemittel teilweise ersetzen.
Geschlossene Verwertung reduziert Emissionen, Reststofftransporte, Ascheanfall und den Einsatz fossiler Brennstoffe sowie chemischer Düngemittel.
Mögliche Erlöse entstehen aus überschüssigem Strom, Düngemittelprodukten und – abhängig von den geltenden Programmen – anerkannten Emissionsminderungen.
Technischer Hintergrund
Die dargestellte Verfahrenslösung orientiert sich an der veröffentlichten internationalen Patentanmeldung WO 2018/091004 A1. Die konkrete Auslegung erfordert eine standortbezogene Stoff- und Energiebilanz sowie die Prüfung der vorhandenen Zucker-, Ethanol-, Hefe-, Dampf- und Abwasseranlagen.
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