Feuchte und leicht verderbliche Reststoffe
Schälmassen und stärkehaltige Weißwässer fallen kontinuierlich an, sind nur begrenzt lagerfähig und erfordern verlässliche Verwertungs- und Transportwege.
Verfahrenslösung für die Kartoffelverarbeitung
Kartoffelpülpe, Schälreste, stärkehaltige Weißwässer und weitere Reststoffe der Kartoffelverarbeitung werden zu Biogas, Biomethan, Prozessenergie und organischen NPKS-Düngemitteln verwertet.
Ausgangssituation
Schälmassen und stärkehaltige Weißwässer fallen kontinuierlich an, sind nur begrenzt lagerfähig und erfordern verlässliche Verwertungs- und Transportwege.
Kartoffelverarbeitungsanlagen benötigen kontinuierlich elektrische, thermische und teilweise auch Kälteenergie. Steigende Energiepreise erhöhen unmittelbar die Produktionskosten.
Proteinreiche Schälmassen können im Fermentationssystem zu erhöhten Ammonium- und Schwefelwasserstoffkonzentrationen führen und dadurch die biologische Prozessstabilität beeinträchtigen.
Produktionsabwässer, Schlämme, Zwischenlagerung und Reststofftransporte verursachen zusätzliche Kosten und können die Erweiterung der Produktionskapazität begrenzen.
Verfahrensprinzip
Schälmassen, stärkehaltige Weißwässer, Reinigungsrückstände, organisch belastete Reinigungsmedien und geeignete Abwasserschlämme werden zu einer pumpfähigen Biosuspension zusammengeführt. Mit trockensubstanzreichen Zusatzstoffen und Prozesswasser wird ein Trockensubstanzgehalt von etwa 12 bis 18 % eingestellt.
Die Biosuspension wird unter intensiver Luftzufuhr und bei erhöhten Temperaturen hydrolytisch vorbehandelt. Dadurch werden insbesondere lignocellulosische Strukturen aufgeschlossen und die anschließende Methanbildung vorbereitet.
Das Hydrolysat wird einem hydraulisch und nur teilweise durchmischten Hauptfermenter zugeführt. Eine an protein- und lignocellulosereiche Einsatzstoffe angepasste Methanbakterien-Mischkultur wird im System erhalten und kontinuierlich reproduziert.
Eine robuste mesophile Hauptfermentation wird mit einer nachgeschalteten, vorzugsweise thermophilen Nachfermentation kombiniert. Dadurch werden wechselnde Reststoffqualitäten ausgeglichen, der Abbaugrad erhöht und die Hygienisierung unterstützt.
Die Fermentationsrückstände werden in eine feste Düngemittelfraktion und Biofiltrat getrennt. Die feste Phase kann als organisches NPKS-Düngemittel genutzt werden.
Aus dem rückzuführenden Biofiltrat werden bei Bedarf Ammonium- und Schwefelverbindungen entfernt. Die dabei entstehenden stickstoff- und schwefelreichen Waschmedien werden als flüssiges Düngerkonzentrat nutzbar gemacht.
Das erzeugte Biogas wird entschwefelt, getrocknet und bei Bedarf verdichtet. Es kann insbesondere zur gekoppelten Erzeugung von elektrischer und thermischer Prozessenergie eingesetzt werden.
Geeignete Einsatzstoffe
Feuchte, organisch und energetisch hochwertige Reststoffe aus der Verarbeitung von Kartoffeln und vergleichbaren stärkehaltigen Wurzelfrüchten.
Wässrige Stoffströme und sedimentierte Stärkefraktionen aus der Reinigung und Verarbeitung der eingesetzten Wurzelfrüchte.
Organisch belastete Medien aus der Anlagenreinigung sowie Schlämme aus der betrieblichen aeroben oder anaeroben Abwasserbehandlung.
Reststoffe aus einer optional vorgeschalteten Hefefermentation und Bioethanolgewinnung aus stärkehaltigen Stoffströmen.
Das Verfahrensprinzip kann auch für Reststoffe aus der Verarbeitung von Süßkartoffeln, Maniok, Tapioka und Cassava projektbezogen geprüft werden.
Zum Beispiel Getreidespreu, Mühlenstäube, Bürststäube und vergleichbare lignocellulosereiche Reststoffe zur Einstellung der Biosuspension.
Kundennutzen
Das erzeugte Biogas kann einen erheblichen Anteil des betrieblichen Strom- und Wärmebedarfs decken und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.
Der Betrieb wird weniger abhängig von der kurzfristigen Abnahme feuchter Schälmassen, schwankenden Futtermittelmärkten und externen Entsorgungswegen.
Die Pflanzennährstoffe werden in festen Düngemittelfraktionen und flüssigen stickstoff- und schwefelreichen Konzentraten für eine weitere Nutzung zurückgewonnen.
Die Einbindung von Prozesswässern und Abwasserschlämmen kann die Abwasserlast senken. Gleichzeitig werden Zwischenlagerung, Geruchsemissionen und anlagenbezogener Lastverkehr reduziert.
Aerobe Hydrolyse, kulturerhaltende Fermentertechnik und gezielte Hemmstoffentfrachtung unterstützen die stabile Verwertung protein- und lignocellulosereicher Reststoffe.
Überschüssige Energie, vermarktbare Düngemittelprodukte und nachweisbare Minderungen von Treibhausgasemissionen können – abhängig vom Projekt und den geltenden Systemen – zusätzliche Erlöspotenziale eröffnen.
Technischer Hintergrund
Die dargestellte Verfahrenslösung orientiert sich an der deutschen Patentschrift DE 10 2014 001 910 B4. Die konkrete technische und wirtschaftliche Auslegung muss stets projekt-, standort- und stoffstrombezogen erfolgen.
Projektprüfung