Verfahrenslösung für die Kartoffelverarbeitung

Biogas aus Kartoffelresten, Kartoffelpülpe und Weißwasser

Kartoffelpülpe, Schälreste, stärkehaltige Weißwässer und weitere Reststoffe der Kartoffelverarbeitung werden zu Biogas, Biomethan, Prozessenergie und organischen NPKS-Düngemitteln verwertet.

Ausgangssituation

Typische Herausforderungen bei Kartoffelpülpe, Schälresten und Weißwasser

01

Feuchte und leicht verderbliche Reststoffe

Schälmassen und stärkehaltige Weißwässer fallen kontinuierlich an, sind nur begrenzt lagerfähig und erfordern verlässliche Verwertungs- und Transportwege.

02

Hoher betrieblicher Energiebedarf

Kartoffelverarbeitungsanlagen benötigen kontinuierlich elektrische, thermische und teilweise auch Kälteenergie. Steigende Energiepreise erhöhen unmittelbar die Produktionskosten.

03

Proteinreiche Stoffströme und Hemmstoffe

Proteinreiche Schälmassen können im Fermentationssystem zu erhöhten Ammonium- und Schwefelwasserstoffkonzentrationen führen und dadurch die biologische Prozessstabilität beeinträchtigen.

04

Abwasser-, Geruchs- und Logistikbelastung

Produktionsabwässer, Schlämme, Zwischenlagerung und Reststofftransporte verursachen zusätzliche Kosten und können die Erweiterung der Produktionskapazität begrenzen.

Verfahrensprinzip

Von Kartoffelpülpe und Schälresten zu Biogas und Düngemitteln

1

Reststoffe erfassen und suspendieren

Schälmassen, stärkehaltige Weißwässer, Reinigungsrückstände, organisch belastete Reinigungsmedien und geeignete Abwasserschlämme werden zu einer pumpfähigen Biosuspension zusammengeführt. Mit trockensubstanzreichen Zusatzstoffen und Prozesswasser wird ein Trockensubstanzgehalt von etwa 12 bis 18 % eingestellt.

2

Aerobe Hydrolyse

Die Biosuspension wird unter intensiver Luftzufuhr und bei erhöhten Temperaturen hydrolytisch vorbehandelt. Dadurch werden insbesondere lignocellulosische Strukturen aufgeschlossen und die anschließende Methanbildung vorbereitet.

3

Kulturerhaltende Hauptfermentation

Das Hydrolysat wird einem hydraulisch und nur teilweise durchmischten Hauptfermenter zugeführt. Eine an protein- und lignocellulosereiche Einsatzstoffe angepasste Methanbakterien-Mischkultur wird im System erhalten und kontinuierlich reproduziert.

4

Mehrstufige Methanfermentation

Eine robuste mesophile Hauptfermentation wird mit einer nachgeschalteten, vorzugsweise thermophilen Nachfermentation kombiniert. Dadurch werden wechselnde Reststoffqualitäten ausgeglichen, der Abbaugrad erhöht und die Hygienisierung unterstützt.

5

Gärreste trennen und Nährstoffe zurückgewinnen

Die Fermentationsrückstände werden in eine feste Düngemittelfraktion und Biofiltrat getrennt. Die feste Phase kann als organisches NPKS-Düngemittel genutzt werden.

6

Hemmstoffe ausschleusen

Aus dem rückzuführenden Biofiltrat werden bei Bedarf Ammonium- und Schwefelverbindungen entfernt. Die dabei entstehenden stickstoff- und schwefelreichen Waschmedien werden als flüssiges Düngerkonzentrat nutzbar gemacht.

7

Biogas aufbereiten und energetisch nutzen

Das erzeugte Biogas wird entschwefelt, getrocknet und bei Bedarf verdichtet. Es kann insbesondere zur gekoppelten Erzeugung von elektrischer und thermischer Prozessenergie eingesetzt werden.

Geeignete Einsatzstoffe

Kartoffelpülpe, Schälreste, Weißwasser und weitere Reststoffe

Schälmassen

Feuchte, organisch und energetisch hochwertige Reststoffe aus der Verarbeitung von Kartoffeln und vergleichbaren stärkehaltigen Wurzelfrüchten.

Stärkehaltige Weißwässer

Wässrige Stoffströme und sedimentierte Stärkefraktionen aus der Reinigung und Verarbeitung der eingesetzten Wurzelfrüchte.

Reinigungsmedien und Abwasserschlämme

Organisch belastete Medien aus der Anlagenreinigung sowie Schlämme aus der betrieblichen aeroben oder anaeroben Abwasserbehandlung.

Schlempen und Presskuchen

Reststoffe aus einer optional vorgeschalteten Hefefermentation und Bioethanolgewinnung aus stärkehaltigen Stoffströmen.

Weitere stärkehaltige Wurzelfrüchte

Das Verfahrensprinzip kann auch für Reststoffe aus der Verarbeitung von Süßkartoffeln, Maniok, Tapioka und Cassava projektbezogen geprüft werden.

Trockensubstanzreiche Zusatzstoffe

Zum Beispiel Getreidespreu, Mühlenstäube, Bürststäube und vergleichbare lignocellulosereiche Reststoffe zur Einstellung der Biosuspension.

Kundennutzen

Mehr Wert aus betriebseigenen Reststoffströmen

Senkung der Prozessenergiekosten

Das erzeugte Biogas kann einen erheblichen Anteil des betrieblichen Strom- und Wärmebedarfs decken und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduzieren.

Höhere Entsorgungssicherheit

Der Betrieb wird weniger abhängig von der kurzfristigen Abnahme feuchter Schälmassen, schwankenden Futtermittelmärkten und externen Entsorgungswegen.

Organische NPKS-Düngemittel

Die Pflanzennährstoffe werden in festen Düngemittelfraktionen und flüssigen stickstoff- und schwefelreichen Konzentraten für eine weitere Nutzung zurückgewonnen.

Weniger Abwasser, Gerüche und Transporte

Die Einbindung von Prozesswässern und Abwasserschlämmen kann die Abwasserlast senken. Gleichzeitig werden Zwischenlagerung, Geruchsemissionen und anlagenbezogener Lastverkehr reduziert.

Stabilere biologische Prozessführung

Aerobe Hydrolyse, kulturerhaltende Fermentertechnik und gezielte Hemmstoffentfrachtung unterstützen die stabile Verwertung protein- und lignocellulosereicher Reststoffe.

Zusätzliche Wertschöpfung

Überschüssige Energie, vermarktbare Düngemittelprodukte und nachweisbare Minderungen von Treibhausgasemissionen können – abhängig vom Projekt und den geltenden Systemen – zusätzliche Erlöspotenziale eröffnen.

Technischer Hintergrund

Die dargestellte Verfahrenslösung orientiert sich an der deutschen Patentschrift DE 10 2014 001 910 B4. Die konkrete technische und wirtschaftliche Auslegung muss stets projekt-, standort- und stoffstrombezogen erfolgen.

Projektprüfung

Lassen Sie uns prüfen, wie die Reststoffströme Ihrer Kartoffelverarbeitung energetisch und stofflich verwertet werden können.

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