Schwer zugängliche Lignocellulose
Stroh und Ernterückstände besitzen stabile Faserstrukturen. Ohne geeignete Zerkleinerung, Aufschluss und Hydrolyse bleibt ein wesentlicher Teil des Energiepotenzials ungenutzt.
Repowering bestehender Biogasanlagen
Durch gezieltes Repowering können bestehende Biogasanlagen Stroh, Ernterückstände und weitere faserreiche Reststoffe nutzen. Energiepflanzen und Futtermittel lassen sich teilweise oder vollständig ersetzen, während vorhandene Anlagentechnik weitgehend weiterverwendet wird.
Ausgangsproblem
Stroh und Ernterückstände besitzen stabile Faserstrukturen. Ohne geeignete Zerkleinerung, Aufschluss und Hydrolyse bleibt ein wesentlicher Teil des Energiepotenzials ungenutzt.
Übliche Mikrokulturen und vollständig durchmischte Fermenter sind nicht optimal für dauerhaft hohe Anteile lignocellulosehaltiger Einsatzstoffe ausgelegt.
Bei der Rückführung von Biofiltraten können sich Ammonium und Schwefelwasserstoff bis zu prozesshemmenden Konzentrationen anreichern.
Maissilage und andere hochwertige Substrate binden Ackerflächen, unterliegen Preisrisiken und konkurrieren mit Futter- und Lebensmittelproduktion.
Verfahrensprinzip
Vorhandene Silagelager werden für trockene oder silierte Ernterückstände genutzt. Stroh und Reinigungsrückstände werden auf Stückgrößen unter etwa 10 mm zerkleinert.
Faserreiche Einsatzstoffe können vor der Suspendierung mechanisch und thermisch aufgeschlossen werden, um die Lignocellulosestruktur besser zugänglich zu machen.
Mit Prozessflüssigkeiten und aufbereiteten Biofiltraten wird eine pumpfähige Biosuspension hergestellt. Eine vorgeschaltete aerobe Hydrolyse erschließt die Faserbestandteile vor der Methanbildung.
Ein hydraulisch und nur teilweise gemischter Hauptfermenter erhält eine an lignocellulosehaltige Stoffe adaptierte mesophile Mischkultur und ermöglicht stabile hohe Feststoffgehalte.
Vorhandene Rührfermenter können als zweite Fermentationsstufe weitergenutzt und bei geeigneter Konfiguration chargenweise betrieben werden, um die Mindestverweilzeit deutlich zu erhöhen.
Biogas wird biologisch entschwefelt. Die entstehende Biosäure unterstützt die Hemmstoffentfrachtung; feste Gärrestfraktionen und Düngerkonzentrate bleiben als Nährstoffprodukte erhalten.
Geeignete Einsatzstoffe
Getreidestroh, Maisstroh, Raps- und anderes Ölsaatenstroh – trocken oder bei Bedarf siliert.
Getreide-, Mais- und Ölsaaten-Reinigungsrückstände sowie weitere rohfaserreiche Nebenprodukte.
Feste und flüssige Wirtschaftsdünger können abhängig von Standort, Genehmigung und Stoffbilanz in das Konzept integriert werden.
Kundennutzen
Standortnahe Reststoffe können Maissilage und andere hochwertige Substrate ersetzen und die Beschaffungskosten stabilisieren.
Behälter, Gasspeicher, Gärrestlager und weitere Anlagenkomponenten werden soweit technisch sinnvoll in das neue Konzept eingebunden.
Aufschluss, Hydrolyse, angepasste Kulturen und verlängerte Verweilzeiten verbessern die energetische Erschließung faserreicher Biomassen.
Ackerflächen können wieder stärker für Marktfrüchte genutzt werden; Transportmengen und fossile Energieabhängigkeit können sinken.
Nährstoffe werden in festen Gärrestfraktionen und stickstoff- sowie schwefelhaltigen Konzentraten für die landwirtschaftliche Nutzung erhalten.
Die Erweiterung wird an vorhandene Technik, verfügbare Stoffströme, Genehmigungsrahmen und gewünschte Gasnutzung angepasst.
Technischer Hintergrund
Die dargestellte Verfahrenslösung orientiert sich an der deutschen Offenlegungsschrift DE 10 2014 005 270 A1. Die konkrete Umrüstung erfordert eine standortbezogene Bestandsaufnahme, Stoffstromanalyse, Genehmigungsprüfung sowie eine technische und wirtschaftliche Auslegung.
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