Technische Lösung für stabile Vakuumdestillation

Verfahren zur Temperatur- und Druckregelung im Kopf von Vakuum-Destillationskolonnen

Das Verfahren trennt die Regelung von Vakuum, Kopftemperatur und Kopfdruck in eigenständige Regelkreise. Das Vakuum an der Kondensationsstation wird konstant gehalten, die Temperatur am Kolonnenkopf über rückgeführtes Kondensat und der Kopfdruck über die geregelte Zufuhr eines Inertgases stabilisiert.

Technische Grundlage: DE 10 2017 010 783 A1

Ausgangsproblem

Schwankende Druckverluste können die Zusammensetzung des Kopfproduktes verändern

Belagbildung, wechselnde Flüssigkeitsbelastungen und veränderte Strömungswiderstände an Kolonnenböden und Wärmetauschern beeinflussen das Druckprofil einer Vakuum-Destillationsanlage. Selbst bei stabiler Kopftemperatur kann dadurch der tatsächliche Kopfdruck schwanken und die Zusammensetzung des abgezogenen Destillates verändern.

Die Verfahrenslösung stabilisiert deshalb nicht nur das an der Kondensationsstation anliegende Vakuum, sondern regelt Temperatur und Druck unmittelbar am Kolonnenkopf getrennt voneinander.

Vakuum-Destillations- und Rektifikationskolonnen Gewinnung eines Leichtsieders als Kopfprodukt Bioethanol und weitere temperaturempfindliche Stoffgemische Anlagen mit verfügbarer Kohlendioxid- oder Stickstoffquelle

Verfahrensablauf

Vier getrennte Stellgrößen für eine stabile Destillation

Energieeintrag, Vakuum, Kopftemperatur und Kopfdruck werden jeweils dort beeinflusst, wo die zugehörige Prozessgröße wirksam geregelt werden kann.

01

Vakuum konstant halten

Die Vakuum-Pumpenstation hält das an der Kondensationsstation anliegende Vakuum auf dem gewählten Sollwert.

02

Verdampftes Medium zuführen

Der Energieeintrag erfolgt unterhalb der Abtriebsböden durch verdampftes Wasser, Heizdampf oder vorzugsweise extern aufgeheiztes und beim Eintritt entspanntes Sumpfprodukt.

03

Kopftemperatur regeln

Kondensat aus der Kondensationsstation wird bedarfsgerecht in den Kolonnenkopf zurückgeführt. Aufheizung und erneute Verdampfung entziehen dem Kopfbereich Energie.

04

Kopfdruck regeln

Ein schnelles Regelventil dosiert Kohlendioxid oder Stickstoff in den Kolonnenkopf und hält den absoluten Druck trotz wechselnder Druckverluste auf dem Sollwert.

05

Destillat kondensieren und aufteilen

Das Kopfprodukt wird kondensiert. Ein Teil des Kondensates dient der Temperaturregelung, der verbleibende Produktstrom wird ausgetragen.

Regelungskonzept

Unabhängige Regelkreise statt indirekter Korrekturen

Die Trennung der Stellgrößen reduziert gegenseitige Wechselwirkungen: Die Vakuumpumpe bestimmt das Grundvakuum, Kondensatrückführung beeinflusst die Kopftemperatur und die Inertgaszufuhr korrigiert den Kopfdruck.

Grundvakuum: Vakuum-Pumpenstation an der Kondensationsstation Kopftemperatur: geregelte Rückführung gekühlten Kondensates Kopfdruck: geregelte Zufuhr von Kohlendioxid oder Stickstoff Energieeintrag: verdampftes, vorzugsweise rezirkuliertes Sumpfprodukt

Technische Merkmale

Einbindung von Kondensat-, Sumpfprodukt- und Inertgaskreislauf

Externer Sumpfproduktkreislauf

Sumpfprodukt kann extern indirekt erwärmt und erst beim Wiedereintritt in die Kolonne entspannt werden. Dadurch können großvolumige Dampfleitungen außerhalb der Kolonne vermieden werden.

Kondensat als Regelmedium

Die Temperatur des Kondensates kann über das verfügbare Kühlmedium stabilisiert werden. Das Kondensat steht anschließend unmittelbar für die Kopfkühlung zur Verfügung.

Nutzung von Fermentations-CO₂

Bei Bioethanolanlagen kann Kohlendioxid aus der Fermentationsstation vor oder nach der CO₂-Wäsche als Inertgasquelle genutzt werden, sofern Qualität, Verfügbarkeit und Sicherheit geeignet sind.

Automatisierbare Prozessführung

Separate Mess- und Regelkreise für Vakuum, Temperatur und Druck schaffen eine klare Grundlage für den automatisierten Kolonnenbetrieb.

Kundennutzen

Stabilere Produktqualität und energieeffiziente Prozessintegration

Konstante Destillatzusammensetzung

Die direkte Stabilisierung von Kopftemperatur und Kopfdruck vermindert Qualitätsschwankungen, die aus wechselnden Druckverlusten in der Kolonne resultieren können.

Niedrigere Prozesstemperaturen

Der Betrieb unter Vakuum ermöglicht die Verdampfung bei niedrigeren Temperaturen als unter atmosphärischen Bedingungen und kann temperaturempfindliche Produkte schonen.

Wärmerückgewinnung

Feed, Kopfprodukt und Sumpfprodukt können über Wärmetauscher energetisch gekoppelt werden. Die konkrete Einsparung hängt von Stoffsystem, Temperaturniveaus und Anlagenkonzept ab.

Integration vorhandener CO₂-Ströme

In Bioethanolanlagen kann ein vorhandener Kohlendioxidstrom als Stellmedium für die Druckregelung genutzt und damit funktional in den Destillationsprozess eingebunden werden.

Ausführungsbeispiel der Offenlegungsschrift

Vakuum-Destillationskolonne zur Gewinnung von hochkonzentriertem Bioethanol

Das beschriebene Beispiel verwendet eine Kolonne mit acht Abtriebsböden und 32 Auftriebsböden. Ein Feed mit etwa 6,5 Vol.-% Alkoholen wird über Wärmerückgewinnung vorgewärmt. Extern erhitztes Sumpfprodukt liefert den verfahrenstechnischen Antrieb, rückgeführtes Kondensat regelt die Kopftemperatur und Kohlendioxid aus der Fermentation stabilisiert den Kopfdruck.

8 Abtriebsböden im Beispiel32 Auftriebsböden im Beispieletwa 6,5 Vol.-% Alkohole im FeedKohlendioxid als Inertgas im Beispiel

Technischer Hintergrund

Die dargestellte Verfahrenslösung orientiert sich an der deutschen Offenlegungsschrift DE 10 2017 010 783 A1 „Verfahren zur Temperatur- und Druckregelung im Kopf von Vakuum-Destillationskolonnen“. Die konkrete Auslegung der Kolonne, Wärmetauscher, Kondensations- und Vakuumtechnik, Mess- und Regelkreise, Inertgasversorgung, Werkstoffe und Sicherheitseinrichtungen muss für das jeweilige Stoffsystem und Projekt erfolgen.

Technische Projektprüfung

Lassen Sie uns prüfen, wie Temperatur- und Druckregelung am Kolonnenkopf in Ihre Vakuum-Destillationsanlage integriert werden können.

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